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HINDUISMUS | DIE ENTSTEHUNG DER WELT

Ein Text von Heike Oberlin, nach Heinrich von Stietencron*

Hinduismus | Die Entstehung der Welt

Über »den Hinduismus« zu sprechen ist eine Herausforderung, denn es handelt sich dabei um einen komplexen sozio-religiösen bzw. religiös-kulturellen Begriff, der seit dem 19. Jahrhundert einen Pluralismus von miteinander verwobenen indischen Religionen und Kulturen zu umfassen versucht, die eine eigene, liberale Art und Weise einer Koexistenz und Interaktion untereinander entwickelt haben.

Leicht lässt sich erahnen, dass es also auch nicht »den« hinduistischen Schöpfungsmythos gibt. Beispielhaft sollen die ältesten Texte, die in Indien überliefert sind, herangezogen werden: die Veden. Entstanden in der zweiten Hälfte des zweiten vorchristlichen Jahrtausends beinhalten sie Hymnen an die Götter, die meist im Kontext eines Opferrituals vorgetragen und über Jahrhunderte hinweg ausschließlich mündlich weitergegeben wurden. Im Rigveda, dem »Wissen der Verse«, erfahren wir von der kosmischen Ordnung: Zu Beginn lagen Vater Himmel und Mutter Erde dicht aufeinander, es gab keinen Zwischenraum zwischen ihnen.Die Kinder, die aus dieser Vereinigung entstanden, konnten sich nicht entfalten, denn sie hatten keinen Raum. Bis einer der Göttersöhne (Varuna oder Vishnu, vielleicht auch Indra) die Eltern Himmel und Erde gewaltsam voneinander trennte, so dass Raum entstand für den Wind, der den Atem der Welt und mit ihm die Grundlage für alles Leben bildet (Rigveda 6,70,1;7,86,1). Diese Schaffung des (Luft-)Raums war die erste und grundlegende kosmogonische Tat. Dass sie im Laufe der Zeit verschiedenen Göttern zugeschrieben wurde, zeigt, dass die hierarchischen Strukturen im vedischen Götterpantheon noch nicht ein für allemal festgelegt waren oder dass sie nicht unverändert fortbestanden.

In den späteren Texten nennt man den Schöpfergott meistens Prajapati, den Herrn der Geschöpfe. Einige dieser Geschöpfe bringt er durch die Glut seiner asketischen Willensanspannung hervor. Andere entstehen durch Vereinigung, durch Opfer oder durch kunstfertige Formung. Auch die Idee des anfänglichen Einen, das aus sich heraus ein Zweites hervorbringt und sich dann mit diesem zum Paar vereinigt, ist zu finden.

In der spätvedischen Zeit, also in der zweiten Hälfte des ersten Jahrtausends vor unserer Zeitrechnung, waren Opferspekulationen so dominant, dass man sich auch die Weltentstehung aus einem Opfer vorstellte. Eines der wenigen ausführlichen Schöpfungslieder aus dem Rigveda schildert einen solchen Schöpfungsvorgang (10,90). Die Götter brachten das Opfer Purushadar, wörtlich: der Mann. Purusha ist ein anthropomorph gedachter Kosmos, ein Urwesen, das alle Vielheit des Seienden in sich trägt. Tausendköpfig, tausendäugig, tausendfüßig ist er –und in diesem Bild erscheint schon die ganze wimmelnde Fülle der Lebewesen. In ihm ruht nicht nur eine Welt, sondern viele: die gegenwärtige, die vergangene und die zukünftige. Er ist zugleich Herr über die Unsterblichkeit, umfasst also das Unvergängliche einschließlich der Weltgesetze und der Götter, wie Herr über das, was durch Speise noch weiter wächst, umfasst also auch alles Vergängliche, das auf Nahrung angewiesen ist, um zu leben.

Aus diesem Opfer entstehen nicht nur der irdische Raum und die Tiere, sondern auch die Verse, die Melodien, die Metren und der Opferspruch, also die wichtigsten, für das Opfer erforderlichen priesterlichen Kenntnisse. Es entstehen die sozialen Schichten, wobei die ihnen zugeordneten Körperteile des Purusha keineswegs willkürlich gewählt sind, ist doch das Wort die zentrale Aufgabe des Brahmanen, nämlich das heilige Wort des Vedazu sprechen, zu singen, zu rezitieren – und ist somit, wie der Brahmane, dem Mund zugehörig. Bei den Adligen sind es Bogen und Schwert, die ihre Zuordnung zu den Armen suggerieren und beim Mittelstand der Kaufleute und Landbesitzer wird auf die Reproduktionsorgane verwiesen, die den Bereich der Fruchtbarkeit als Domäne des Nährstands symbolisieren. Aus den Füßen entstehen die dienstleistenden Shudras, aber auch die Erde selbst, d. h. die Basis, welche die Gesellschaft trägt.

Schließlich bleibt noch ein anderes wichtiges Weltschöpfungskonzept zu erwähnen: Die Vorstellung vom kosmischen Ei, das auf den unendlichen Urwassern schwimmt und in dessen Innerem sich dank seiner asketischen Kraft ein Schöpfergott entwickelt, der seinerseits alle Wesen und Welten hervorbringt. Auch diesesKonzept kommt schon in späteren Hymnen des Rigveda vor. Das Bild des Eis fordert das korrespondierende Bild der Bruthitze geradezu heraus. Diese aber ist es, die nach alter yogischer Tradition und Erfahrung durch Anspannung aller Willenskräfte in der Askese erreicht und in schöpferische Kraft umgewandelt werden kann. Als ein zyklisches Weltbild aufkam, demzufolge immer wieder neue Welten entstehen und vergehen, da wurde das Bild des goldenen Keimes (Hiranyagarbha) im Weltei zum Symbol des Bleibenden inmitten des Vergänglichen. Der Schöpfergott Prajapati hatte inzwischen den Beinamen Brahma erhalten, da man ihn als Verkörperung der gestaltenden Kraft des vedischen Wortes (brahman) ansah. So heißt es beispielsweise im Vamana Purana (Saromahatmya 22,17-19; 30-34): Vor langer Zeit, als die belebten und unbelebten Dinge sich wieder in einem gewaltigen Ozean verloren hatten, erschien in den Fluten ein Ei. Es war die Quelle des Samens aller Wesen. In ihm lag der Gott Brahmaund schlief. Es dauerte tausend Weltalter, ehe er wieder erwachte. Da sah er, da die Welt leer war. ... Er brach das Ei auf. Da wurde aus ihm die Silbe Om geboren.

Om ist derjenige Laut, welcher nach spätvedischer Tradition alle Laute des indischen Alphabets in sich enthält, und mit ihnen alle Worte, alle Dinge und alle Gedanken. Er ist Anfang und Ende allen Seins, Alpha und Omega, wenn diese als Totalität alles dessen gesehen werden, was zwischen ihnen liegt. Nach dem Om kamen aus dem Ei die drei Silben Bhuh, Bhuvah und Svah, welche die Erde, den Luftraum und den Himmel in sich tragen. Und aus diesen entstand die Sonne als leuchtende Glut, die sogleich das Wasser des Meeres auszutrocknen begann. Der trocken gelegte Rest wurde zunächst zum Foetus, dann zum Embryo und schließlich zur festen Erde. Wegen dieser Festigkeit und weil sie alle Kreaturen trägt, bezeichnet man die Erde als Dharani, die Tragende.

Diese beispielhaft ausgewählten Mythen aus der vedischen Zeit und dem frühen Hinduismus spiegeln die enge Verbindung von Schöpfung und Klang, der Musica Sacra das diesjährige Festival widmet.

 

* Wörtliche Verwendung unpublizierter Textexzerpte von Heinrich von Stietencrons letzter Vorlesung im Jahr 2008 zum Thema »Indische Mythen«, Abdruck genehmigt.

Hinduismus | Die Entstehung der Welt - Ein Text von Heike Oberlin

Die Entstehung der Welt.pdf (73,3 KiB)

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